Gartenpolitik

Was fordert die Politik von uns Kleingärtnern? Und wie können wir diesen Anforderungen begegnen?
Wie können wir offener werden für die Menschen, die in Nachbarschaft zu unseren Gärten wohnen?

Um solche Fragen geht es uns hier – und darum, einen offenen Austausch über solche Themen innerhalb der Kleingartenanlagen anzustoßen und zusammen die Zukunft unserer Kleingärten zu gestalten.

Bezirk ist gegen Bebauung unserer Kleingärten

Der Senat aber dafür.

Im Abgeordnetenhause wurde neulich die Frage zum Wohnungsbau auf der Fläche der Kleingartenanlage Bornholm II  gestellt:

Wie sieht der Zeitplan für den Wohnungsbau an dem Standort „KGA Bornholm/Ost“ aus?

Pankow unterstützt den Erhalt der Kleingärten: “Der Bezirk Pankow positionierte sich bereits (…) 2013 (…) derart, dass die auf bestehenden Kleingartenflächen dargestellten Wohnungsbaupotenzialflächen im Bezirk Pankow aus der Entwicklungskulisse des StEP Wohnen grundsätzlich zurückzunehmen sind.”

Der Senat gibt den Wohnungsbau Vorrang: “Der Senat sieht entgegen der Position des Bezirks die Notwendigkeit zur Entwicklung des Standorts für Wohnungsbau und hat den Standort deshalb als Wohnungsbaupotenzial im Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025 beschlossen.”

Hier der Link zur gesamten Anfrage (siehe Frage 12):

Verwandter Beitrag:

Kleingärten: Schützenwertes Stadtgrün oder Bauerwartungsland?

Auf dem Link findet ihr  Antwort des Senats auf eine schriftlichr Anfrage der Abgeordneten Katrin Lompscher und Marion Platta zu den Bebauungsplänen von Kleingartenflächen in Berlin:

Hier ein paar Ausschnitte mit Kommentar…

Gut erschlossen

“Dazu gehören (…) kleingärtnerisch genutzte Flächen, die an Standorten liegen, die gut durch öffentlichen Nahverkehr erschlossen und für Wohnungsbau geeignet sind.”

Besser angeschlossen als unserer Nähe zu der S-Bahn-Station Bornholmer durfte kein Bauland sein. Allerdings ist dies auch eine Argumentation für den Erhalt als Kleingartenanlage.

Kleingartenflächen am Stadtrand stehen leer, weil man den Kleingarten (im Gegensatz zum Erholungsgrundstuck) in der Saison häufig – auch unter der Woche – pflegen muss. Deshalb braucht man den Garten am Besten in der Nähe oder zumindest gut mit den öffentlichen Verkehrtsmitteln zu erreichen.

Zwischennutzung

“Bei der gegenwärtigen kleingärtnerischen Nutzung dieser Flächen handelt es sich daher um eine zeitlich befristete Zwischennutzung bis das Erfordernis der eigentlichen Zweckbestimmung eintritt.”

Bei Bornholm I und II dürfte man nicht von einer Zwischennutzung sprechen. Das Areal wird seit 1896 gärtnerisch benutzt; ab 1915 die erste Kleingartenkolonie.

Kleingärten auf Einwohnerzahl

Sehr interessant, aber leider nicht in unserem Interesse, die Bilanz von Kleingärten pro Einwohner in deutschen Großstädten:

Stadt Kleingärten auf 1.000 Einwohner
Frankfurt/Main 23
Berlin 21
Hamburg 20
Köln 12
München 6
Stuttgart 4

Jedoch sind Hamburg und Berlin auf dem gleichen Niveau und Frankfurt ist etwas höher. Sich München und Stuttgart zum Vorbild zu nehmen, kann ja nicht ganz im Sinne des Senats liegen. Zudem hier deutlich mehr Menschen wohnen als in den beiden Städten und die Stadtstruktur eine ganz andere ist (Geballte Stadt auf engem Raum mit dichterer Besiedlung außerhalb der Stadtgrenzen)

Pankow fordert Erhalt aller Kleingärten im Bezirk

In der Antwort auf Frage 4 wird bekannt gegeben, dass das Bezirksamt Pankow eine “Forderung nach Erhalt sämtlicher Kleingärten im Bezirk” meldete.

 

Hier wäre Platz für 950 Wohnungen

Hintergrund: Kleingärten an der Bornholmer Str. in Prenzlauer Berg (Pankow) sind im Stadtentwicklungsplan Wohnen für den Bau von ca. 950 Wohnungen vorgesehen.

Seit unserem letzten Beitrag über die Pläne des Berliner Senats (Bauland ab 2025) hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine neue Brochüre veröffentlicht.

Für Wohnungsbau vorgesehene Kleingartenanlagen

In der Brochüre steht — in einer übersichtlichen Tabelle — alle Kleingartenanlagen, die für den Wohnungsbau vorgesehen sind:

fuer-wohnungsbau-vorgesehene-kleingartenanlagen
(Zum vergrößern auf dem Bild klicken; oder siehe Seite 100-101 der Brochüre.)

Im Grunde ist der Stadtentwicklungsplan eine Analyse der Flächen in Berlin, die dem Senat für Wohnungsbau noch zur Verfügung stehen. “KGA Bornholm / Ost” taucht da konkret für eine Bebauung nach 2025 auf. Mit 950 Wohnungen macht die Fläche sogar knapp 9% aller 8.510 Wohnungen, die auf Kleingartenflächen gebaut werden können bzw. sollen, aus.

Welche Anlagen sind betroffen?

Update: Nach den Kommentaren haben wir uns hierzu weiter erkundigt und am 11.3.2015 aktualisert.

Im Stadtentwicklungsplan steht “KGA Bornholm / Ost”.

Was “Bornholm / Ost” genau heißt, ist nicht erklärt.

Der Senat sieht in dieser Studie Platz für 950 Wohnheiten vor. Wir sind aufgrund von Fachwissen eines Landschaftplanners von einem Faktor von 130 qm pro Wohnheit ausgegangen. Für 950 Wohnungenen benötigte man ca. 123.500 qm Land.

KGA Bornholm II beträgt nur 60.830 qm, KGA Bornholm I beträgt 77.778 qm. Deshalb waren wir davon ausgegangen, dass beide Kleingärtenanlagen benötigt werden, um 950 Wohneinheiten zu schaffen.

Auf unsere Anfrage zu diesem Thema haben wir von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, folgende Auskunft bekommen:

“Im StEP Wohnen ist nur die Anlage Bornholm II erfasst.”

“Bornholm I ist aufgrund des Verkehrslärms eher für andere Nutzungen (gemischte Baufläche) vorgesehen, nur ein kleinerer Teil ist im Flächennutzungsplan für Wohnungsbau vorgesehen und den könnte man erst realisieren,  wenn man weiß was auf der gemischten Baufläche passiert.”

Die Planner sehen das ganze Areal östlich und westlich der Bornholmer Brücke gern als eins und werden deshalb wohl erst Wohnungen auf KGA Bornholm II bauen, wenn klar ist, wie das Mischgebiet Bornholm I gestaltet wird.

Wie ernst ist das zu nehmen?

Was heißt “für den Wohnungsbau vorgesehen”? Wie ernst is das vom Senat gemeint?

Auf Seite 70 der Brochüre steht: “Kleingärten werden nur in Anspruch genommen, wenn deren Schutzfrist abgelaufen ist oder ohnehin nie bestand, weil es private Flächen sind. Dabei handelt es sich nahezu ausschließlich um Kleingärten, die im FNP schon seit langem als Bauflächen vorgesehen sind.”

Für uns Kleingärtner ist die o.g. Aussage sehr beunruhigend.

Es gibt wohl durchaus Flächen, die nicht in dem Plan aufgenommen werden, weil sie zum Kleingartenentwicklungskonzept gehören:

“Nicht aufgenommene Flächen:  Ausgeschlossen blieben Flächen, die bereits in Planwerken wie dem StEP Industrie und Gewerbe oder dem Kleingartenentwicklungskonzept anderen Nutzungen vorbehalten sind. Gleiches gilt für Flächen, die nötig sind, um ein qualitätsvolles Wohnumfeld oder die weitere Infrastrukturausstattung sicherzustellen. Sie wurden in Absprache mit den Bezirken grundsätzlich nicht einbezogen, um den Zielkonflikt zwischen Verdichtung und Wohnqualität nicht zu verschärfen.” — Seite 71

Diese Aussage trifft noch härter: Hier lese ich raus, dass unsere Anlagen wohl nicht im Kleingartenentwicklungskonzept sind, weil sie doch hier als Bauland gekennzeichnet sind. Ich freue mich über weiterer Informationen hierzu in den Kommentaren oder per Mail.

Weitere Information

 

Beschluss des Abgeordnetenhauses

Die Große Koalitation hat am 14.3. im Abgeordnetenhaus beschlossen, den Kleingärten einen dauerhaften Schutz geben zu wollen. Im Gegenzug sollen sich die Kleingarten aber weiter dem Kiez öffnen – durch Bereitstellung von Flächen für Naturerfahrung für Kitas und Schulen, Sitz- und Spielmöglichkeiten und besseren öffentlichen Wegen.http://www.parlament-berlin.de/ados/17/IIIPlen/vorgang/d17-1448.pdf

Wir setzen uns dafür ein, durch eine gezielte Auswahl von solchen Öffnungsaktionen in unseren Kleingartenanlagen dem Senat entgegenzukommen. Ziel dabei ist aber vor allem die Bevölkerung in unmittelbarer Nähe etwas zu bieten und schrittweise im Kiez ein Unterstützernetzwerk für unsere Gärten zu bilden.

Oeynhausen hat es vorgemacht: http://www.kleingaertnerverein-oeynhausen.de/ Am 25.Mai 2014 haben in einer Volksabstimmung im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf 77% für den Erhalt dieser Kleingartenanlage gestimmt. Wir fürchten, dass wir von so einer Zustimmung in der Bevölkerung für unsere Kleingartenanlagen weit entfernt sind und möchten dies verbessern.

Einladung

Willst Du auch mehr nette Leute in den Bornholm Kleingärten kennenlernen?

Hast Du Ideen zum Erhalt unserer Kleingartenanlage oder willst Du uns beim Umsetzen solcher Ideen unterstützen?

Brauchst Du auch manchmal Hilfe, weil der Rasenmäher kaputt ist, Du die Ernte nicht schaffst oder Du keinen Bohrhammer hast?

Wir wollen uns vernetzen. Wir wollen die Kommunikationswege verkürzen und leichter gemeinsame Aktionen starten. Dazu haben wir einen E-Mail-Verteiler eingerichtet und diesen Blog eingerichtet.

Wenn Du Interesse hast mitzumachen, schreib uns eine E-Mail an info@bornholmgaertner.de